Wie viel Protein steckt in Erbsen, Linsen und Bohnen? Die Klasse stellt
eine Verdünnungsreihe her, nimmt mit dem Bradford-Test eine Kalibriergerade auf und
bestimmt daraus den Proteingehalt ihrer Probe. Die Experimentieranleitung führt Schritt
für Schritt durch den Versuch, mit Videos für jede Arbeitstechnik – sie nimmt die
Messwerte gleich mit auf, legt die Kalibriergerade hindurch und erstellt am Ende ein
Ergebnisblatt.
Dauer etwa drei Zeitstunden, ab Jahrgangsstufe 9. Benötigt werden
Tablets oder Laptops für die Gruppen, ein Photometer und die üblichen Laborgeräte.
Kurs anlegen. Sie bekommen einen sechsstelligen Code.
Code an die Tafel schreiben.
Die Gruppen öffnen die Experimentieranleitung – über den QR-Code
weiter unten – und tragen den Code gleich auf der Startseite ein.
Experimentieren im eigenen Tempo, am Ende schickt jede Gruppe ihr
Ergebnis ab.
Gemeinsam auswerten: Der Vergleich zeigt alle Gruppen Ihrer Klasse
nebeneinander – und nur diese.
Vorbereitung
Muster-Gefährdungsbeurteilung prüfen und an Ihre Schule anpassen
(unten zum Herunterladen).
Die Anleitung am Vortag einmal auf den Tablets öffnen, solange das
WLAN frei ist. Beim ersten Aufruf lädt jedes Gerät rund 15 MB Videos – wenn
dreißig Tablets das gleichzeitig zu Stundenbeginn tun, wartet die Klasse.
Danach liegen die Videos im Gerät.
Geteilte Tablets zurücksetzen. Die Anleitung merkt sich Messwerte im
Browser. Hatte eine andere Klasse das Gerät vorher, steht unten auf der
letzten Seite „Von vorn beginnen" – einmal drücken, dann ist es leer.
Kurs anlegen und den Code notieren.
Sicherheit und Gefährdungsbeurteilung
Zwei Tätigkeiten, zwei Beurteilungen
Der Versuch zerfällt sicherheitstechnisch in zwei Teile, die sich deutlich
unterscheiden – und die getrennt zu beurteilen sind.
Das Reagenz herstellen. Das ist der kritische Schritt, und er findet
in der Vorbereitung statt, nicht in der Stunde: Phosphorsäure 85 % ist ätzend
(H314), Ethanol leicht entzündbar (H225). Für diesen Teil liegt unten ein
Muster bereit.
Mit der Klasse messen. Hier arbeiten die Gruppen mit dem fertig
verdünnten Reagenz und mit Hülsenfruchtextrakten. Deutlich harmloser – aber
beurteilt werden muss es trotzdem, und zwar für Ihre Räume und Ihre
Lerngruppe.
Woran Sie bei der Durchführung denken sollten
Keine fertige Beurteilung, sondern die Punkte, die bei diesem Versuch
erfahrungsgemäß hineingehören:
Schutzbrille für alle, auch beim Pipettieren der Verdünnungsreihe –
da wird am häufigsten gespritzt.
Das fertige Reagenz ist immer noch sauer und enthält Ethanol. Haut-
und Augenkontakt vermeiden, nicht mit dem Mund pipettieren. Wie es einzustufen
ist, hängt von Ihrer Verdünnung ab und gehört in Ihre eigene Beurteilung.
Der Farbstoff färbt. Haut, Kleidung, Kunststoff und Küvetten – Kittel
tragen, Spritzer sofort aufnehmen.
Entsorgung festlegen. Die Ansätze sind wässrig, sauer und
farbstoffhaltig. Welcher Sammelbehälter dafür zuständig ist, regelt Ihre
Schule; in den Ausguss gehören sie nicht ohne diese Festlegung.
Spülmittelreste vermeiden – aus Sicherheitssicht nebensächlich, für
das Ergebnis nicht: siehe den fachlichen Hintergrund weiter unten.
Woher Sie die Beurteilung bekommen
Das Muster unten ist in DEGINTU entstanden, dem Gefahrstoff-Informationssystem
der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für Schulen (Versuchs-Nr. 3139).
Dort können Sie es für Ihre Schule nachbauen und anpassen – das System übernimmt
die Einstufung der Stoffe und die Schutzmaßnahmen. Maßgeblich bleibt daneben die
an Ihrer Schule eingeführte Fassung der RiSU, der Richtlinie zur Sicherheit
im Unterricht.
Gefährdungsbeurteilung für die Versuchsdurchführungin Vorbereitung
Das Muster ersetzt Ihre eigene Gefährdungsbeurteilung nicht.
Sie bleibt Sache der Schule. Das Muster nimmt Ihnen die Schreibarbeit ab –
ob es zu Ihren Räumen, Geräten, Chemikalien und Lerngruppen passt, prüfen Sie
bitte selbst und passen es an. Deshalb trägt es einen Stempel.
Fachlicher Hintergrund: Was der Farbstoff macht
Drei Formen, eine Farbe pro pH-Wert
Coomassie-Brillantblau G-250 ist ein Triphenylmethanfarbstoff mit zwei
Sulfonatgruppen. Je nach Protonierung liegt er in drei Formen vor: kationisch
und rot (Absorptionsmaximum um 470 nm), neutral und grün (um 650 nm), anionisch
und blau (um 595 nm). Im stark sauren Reagenz überwiegt die rote Form – daher
die bräunlich-rote Farbe der Flasche.
Die Bindung ans Protein
Trifft der Farbstoff auf Protein, lagert er sich nichtkovalent an, über zwei
Arten von Wechselwirkung:
Ionisch. Die Sulfonatgruppen des Farbstoffs finden die positiv
geladenen Seitenketten – vor allem Arginin mit seiner
Guanidiniumgruppe, daneben Lysin und Histidin.
Hydrophob. Das aromatische Gerüst des Farbstoffs lagert sich an
aromatische und unpolare Seitenketten an, also an Tryptophan, Tyrosin und
Phenylalanin.
Im gebundenen Zustand ist die blaue anionische Form stabilisiert: Das Protein
schirmt den Farbstoff gegen die Protonierung ab, die ihn sonst rot hielte. Die
Lösung schlägt nach Blau um, und die Absorption bei 595 nm steigt. Genau
dort wird gemessen. Die Bindung ist nach rund zwei Minuten vollständig, der
Komplex etwa eine Stunde stabil – deshalb die Wartezeit vor dem Messen, und
deshalb sollte eine Messreihe nicht über die Pause hinweg liegen bleiben.
Was das für die Kalibriergerade bedeutet
Das Signal hängt daran, wie viele Arginin- und Aromatenreste ein Protein
anbietet – nicht an seiner Masse. Verschiedene Proteine antworten bei gleicher
Einwaage deshalb unterschiedlich stark. Eine Gerade, die mit Rinderserumalbumin
aufgenommen wurde, liefert folglich kein absolutes Ergebnis, sondern ein
BSA-Äquivalent.
Für die Fragestellung der Stunde ist das kein Mangel, sondern genau richtig:
Erbse, Linse und Bohne werden an demselben Maßstab gemessen und sind damit
untereinander vergleichbar. Als Angabe „Gramm Protein pro 100 g“ ist der Wert
dagegen eine Näherung. Das ist ein guter Anlass, mit der Klasse über Bezugsgrößen
zu sprechen – und darüber, warum auf Verpackungen eine ganz andere Methode
dahintersteckt.
Zwei Dinge, die Messreihen reihenweise ruinieren
Spülmittelreste. Tenside stören den Test schon in kleinen Mengen –
sie binden den Farbstoff selbst. Küvetten und Glasgeräte deshalb gründlich
nachspülen. Wenn eine Gruppe systematisch zu hohe Blindwerte hat, ist das
die erste Spur.
Zu konzentrierte Proben. Die Eichgerade ist nicht über den ganzen
Bereich linear. Proben, die kräftiger blau sind als der höchste Standard,
gehören verdünnt und noch einmal gemessen, nicht extrapoliert.
Bradford, M. M. (1976). Analytical Biochemistry 72, 248–254. ·
Compton, S. J., & Jones, C. G. (1985). Analytical Biochemistry 151, 369–374.
Für Ihre Klasse
Kurs anlegen
Ein Kurs ist Ihre Klasse für diese Durchführung. Es wird nichts registriert,
was auf Sie oder Ihre Schülerinnen und Schüler zurückweist.
Auswertung öffnen
Sie haben schon einen Kurs? Code eintragen – die Auswertung aktualisiert sich
während der Stunde von selbst.
Für die Gruppen
Diesen Code an die Wand werfen oder ausdrucken – damit kommen die Gruppen
ohne Tippen zur Experimentieranleitung. Wer keine Kamera zur Hand hat,
gibt die Adresse ein:
labor.chemiedidaktik.fau.de/futurefoods/
Bitte keine Namen als Gruppenbezeichnung.
„Gruppe 3" oder „Tisch am Fenster" ist gut, „Lisa M." nicht. Gespeichert werden
nur Gruppenbezeichnung, Hülsenfrucht und Messwert – das soll auch so bleiben.